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Von Toleranz und “Fach”informatikern

Gestern Nacht hatte ich ein recht interessantes Gespräch mit TBlue, Grund war dieser Blogeintrag (ist von ihm).

Dabei macht man sich schon seine Gedanken… vor allem, da ich ja Fachinformatiker (in Ausbildung :P ) bin. Es ist leider so, dass man in den “Weiterführenden Schulen” – also Gymnasium und Realschule, soweit ich weiß – beigebracht bekommt, wie man mit M$-Software eine Präsentation hinbekommt oder wie man in Excel Rechnungen macht und automatisch Ausfüllen lässt usw. Denoch hat Tblue recht, wenn er sagt, dass die Lehrer Linux/FOSS (Free Open Source Software) zumindest ansprechen sollten.

Windows/M$ ist der Marktführer, das stimmt – doch nur aus dem Grund, dass Linux kein interesse am Markt hat. Doch aus dieser Monopolstellung bildet sich eine Einstellung angeblicher “Computerexperten” – “Ich weiß wie ein Betriebssystem funktionieren muss, und wenn etwas so nicht geht, ist es crap” (Vergleich auch der Artikel “Linux ist nicht Windows” in der Übersetzung von Felix Schwarz – sehr empfehlenswert) – und daher ist alles außer Windows crap…

In meiner Klasse – um die 30 Schüler – gibt es wenigstens 4 Leute, die Linux nutzen (und einen Mac’ianer, der aber auch im Linux gut Erfahrung hat…) – und die restlichen 25 sind nicht nur Windows-Nutzer, sondern größtenteils Linux-Hasser…

Wieso muss man etwas runtermachen, das man nicht versteht(/verstehen will)? Ich mein, gut, ich mach meine Anti-Windows-Witze, aber doch nur weil ich weiß, dass es wahr ist… Ich hab seit Win95 jede Version länger als ein halbes Jahr verwendet und weiß daher z.B. dass ME “Much Errors” bedeuten soll… Aber wie gesagt, wenigstens weiß ich, was denn los ist (ich nutz selbst noch gerne WinXP SP2, demnächst lad ich wohl das SP3) – aber diese AntiLinuxer wollen gar nichts von Linux wissen.

In der Schule haben wir bei einem Systemtechnik-Lehrer Linux und machen Debian in VMware. Der Mann hat durchaus Ahnung (auch wenn er den unterschied zwischen vimtiny und vim in Debian nicht kennt *pfeif*), aber die Klasse stellt sich stur. In dieser Doppelstunde sind wir in Gruppen getrennt, ich bin (natürlich) bei den Anwendungsentwicklern. In dieser Gruppe sind ich und ein weiterer Linuxer und der Macianer, wobei der Linuxer oftmals grundlegende Sachen fragen muss und der Macianer meist abschaltet. Der Lehrer kennt auch die beiden Leute die sich durchaus mit den Sachen auskennen, die er dranbringt (wir haben letztes Mal einen Benutzer von Hand eingerichtet, also mit der /etc/passwd und /etc/shadow und ohne adduser, und ich war halt fertig bevor die anderen die Aufgabenstellung gelesen haben – die sind stur nach Anleitung vorgegangen und haben nicht einmal geschaut, was sie denn damit machen, also was die Dateien für einen Sinn haben…) – der Unterricht bringt aber niemandem bei, Linux zu bedienen, denn es braucht im Gegensatz zu Win ne Konsole (wir arbeiten ohne X) und daher ist es nix (“Heul kein Klickibunti”).

Dass andere Lehrer anscheinend nicht mal Knoppix/Ubuntu-LiveCD booten können kommt dann auch noch dazu (“Wenn es nichtmal der Lehrer schafft, muss es ja crap sein”)… und wenn man dann mal seinen Laptop auspackt und den anderen zeigt, dass die GUIs auch gut aussehen, dann kommt halt nur so Zeug wie “Geht da auch HalfLife?” oder sowas… Linux ist kein Zockersystem… und natürlich wird alles mit Win verglichen (Beispiel: Ich hack grad an den Dateien rum, damit Suspend geht – kommt einer und meint “Also bei Windows klick ich grad daundda”)

Und wenns um Sicherheit geht, denkt auch niemand an die Vorteile… Zitat Tblue:

“in der schule kenne ich einen vista-fanboy [...] seine theorie: linux wäre genauso unsicher wie win, wenn es stärker verbreitet wäre”.

OK, gut, vielleicht gäbe es mehr Viren/Trojaner/Würmer für Linux, doch solang die nur auf nem UserAcc und nicht auf root rumrennen ist das egal – und sonst sind die Sicherheitslücken auf Lokale Zugriffe beschränkt und selbst die werden recht schnell unschädlich gemacht – wenn bei Win eine Sicherheitslücke aufgedeckt wird dauert es erstmal 6 Monate bis ein Patch rauskommt – und bis dahin gibts 50.000 Wege, diese Lücke übers Internet auszunutzen.

Ich bleib auf jeden Fall dabei – ich nutz weiter Linux, werde aber auch weiter Win nutzen… Ich hab Toleranz, ich will jedes System möglichst gut kennen, das verbessert die Chancen nen Job zu kriegen immens – und wenn jmd über Linux lästert ohne Ahnung zu haben ist das sein Bier… Vielleicht heißt es ja “Fach”informatiker weil man sich im “Fach” Windows auskennen wird nach der Ausbildung… ich will trotzdem am Ende in möglichst vielen Beziehungen Fachwissen haben…

3 Kommentare zu “Von Toleranz und “Fach”informatikern”

  1. Tblue sagt:

    Was soll ich dazu noch sagen, guter Beitrag. :) Bin (immer noch) deiner Meinung. Vielleicht sollte man mal etwas Lobbyarbeit betreiben… Also Linux und Open Source vorstellen, auf die Vorteile und Nachteile eingehen etc. Würde wahrscheinlich bei den Schülern nichts ändern, aber vielleicht bei den Lehrern/der Schule.

  2. anarchopunk sagt:

    Hey,
    meiner Meinung nach ist das auch wichtig! Nicht nur im Bereich des Fachinformatikers, allgemein sollte man für “andere” Methoden, etc offen sein. Es ist eben so, dass nicht jeder die gleichen Interessen hat und jeder (in diesem Fall) dasselbe Betriebsystem nutzt.
    Wenn man sich von Anfang an quer stellt, gegenüber Sachen, von denen man [noch] keine Ahnung hat, dann kommt man sicher nicht weiter!
    Ich kann deinen Standpunkt verstehen und (bin zwar (leider) kein Fachinformatiker, aber) ich halte das genauso. Ich bin mittlerweile von Linux mehr begeistert als von Windows, werde aber deswegen (allein schon wegen Schule, etc) aber auch so, Win nicht wegwerfen..
    Naja, wird wohl immer ein Problempunkt sein.
    Gruß…

    PS: Auch Tblue’s Statement kann ich unterstützen – guter Ansatz! Ich zumindest versuch das schon =D

  3. Dummy sagt:

    Meiner Meinung nach stimmen viele der Punkte, die ihr ansprecht, dennoch sehe ich das nicht alles ganz genau so. Sicherlich ist es richtig, dass Linux seine derzeitige Stellung als Geek Betriebssystem nicht mehr wirklich verdient. Ubuntu hats vorgemacht, Linux ist schon längst auch beim Otto Normal Verbraucher angekommen, zumindest bei einigen experimentierfreudigen.
    Allerdings halte ich die Bemühungen, dauernd auf Linux hinzuweisen und Linux publik zu machen, teilweise für vergeudete Zeit. Letztendlich wird jeder weiterhin das benutzen, was er benutzen möchte, die meisten sind einfach zu faul zum Umsteigen. Denen ist es egal, dass Linux in vielen Bereichen bereits besser ist. Was bringt es euch konkret, wenn diese Leute Linux nutzen? Wahrscheinlich sind sie nach einiger Zeit unzufrieden, weil dies und das nicht so ist wie unter Windows und nerven dann diejenigen, die ihnen zu Linux geraten haben.
    Ein Vorteil einer großen Userbase wäre natürlich Treibersupport der Hersteller. Aber mal ganz ehrlich, ich kann mit dem derzeitigen sehr gut leben. Ich bin zufrieden damit, dass bisher eher wenig Leute Linux benutzen. Diese Leute haben meist verhältnismäßig viel Ahnung und geben auch oft etwas an die FOSS Community zurück.
    Die meisten Leute, die neu von Windows zu Linux kommen interessiert freie Software überhaupt nicht. Mir ist es lieber, wenn sehr langsam mehr Leute zu Linux kommen und dafür den “Freie Software Gedanken” verstehen, als wenn plötzlich die ganzen DAUs herübergeschwappt kommen.
    Natürlich ist es schade, dass Linux in der Schule oder im Studium so wenig vermittelt wird. Wenn ich mir aber unseren Informatik Unterricht angucke, bin ich eigentlich froh darüber. Wenn mit der gleichen Begeisterung da Linux besprochen wird, macht mir das den Spaß nur kaputt. Gut, dass ich kein Info gewählt habe…
    Letztens auf Slashdot gabs nen netten Artikel. “Warum verwenden wir Linux? Weil es das und das Feature hat? Nein, weil es Fun ist. Weil wir es lieben, am System herumzuwerkeln und tieft in die untersten Systemebenen zu gucken!” Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Linux ist für mich gut wie es ist. Es wird immer besser, und das ist auch gut. Linux wird seinen Weg auf den Desktop finden, auf kurz oder eher auf lang. Wenn jemand Hilfe zu Thema Linux von mir möchte, helfe ich gerne. Aber die Leute müssen den Schritt selber gehen, sie müssen ihn wollen. Sonst ist das alles nichts wert.

    P.S.: Half Life und die ganzen Steam Spiele laufen unter Linux. Siehe Crossover Games. ;)

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